GeoProH: Vulcan Energy und Partner starten geophysikalische Befliegung im Oberrheingraben
Karlsruhe, 08.04.2026. Am 15. November 2025 startete im Auftrag von Vulcan Energy eine geophysikalische Befliegung über Teile des mittleren und nördlichen Oberrheingrabens. Die Messkampagne ist Teil des Verbundprojektes „GeoProH“. Ziel ist es, einen verbesserten regionalen Überblick über die geologische und strukturelle Beschaffenheit des Untergrunds zu gewinnen und Störungsstrukturen im Untergrund flächenhaft zu kartieren. Die Daten sollen eine fundierte Planungsgrundlage für zukünftige Projekte zur klimaneutralen, kombinierten Produktion von erneuerbarer Energie und Lithium schaffen. An GeoProH sind neben Vulcan auch OMV, Eavor GmbH, die Stadt Frankfurt am Main, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum am Projekt beteiligt.
Während sich GeoProH auf Hessen beschränkt, führte Vulcan Energy ergänzend Messungen in seinen weiteren Lizenzgebieten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz durch (siehe Karte unten). Die Messflüge in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind in der Zwischenzeit abgeschlossen und werden zurzeit prozessiert, analysiert und interpretiert. Die Messungen über Hessen wurden aufgrund des schlechten Winterwetters verschoben und werden ab dem 10. April stattfinden. Ein speziell ausgerüstetes Flugzeug wird das Messgebiet rasterförmig mit einem Linienabstand von 500 m in einer Flughöhe von ca. 300-1000 m überfliegen. Die Messungen erfolgen zwischen ca. 23:00 und 05:00 Uhr, da der Luftraum im Bereich des Frankfurter Flughafens während des Betriebes solche Messflüge nicht zulässt . Während der Befliegung werden das Erdschwere- und Magnetfeld kontinuierlich und hochpräzise gemessen. Die Messungen erfolgen ausschließlich passiv und ohne jegliche Beeinträchtigung von Menschen oder Umwelt.
„Die gewonnenen Daten werden einen verbesserten 3D-Einblick in die geologischen Strukturen der Region liefern und bilden die Grundlage für weitere geologische Forschung sowie die Planung zukünftiger Geothermieprojekte im Oberrheingraben“, kommentiert Dr. Kristian Bär, Director New Business & Exploration bei Vulcan. „Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Nutzung geothermischer Ressourcen und zur regionalen Energiewende.“
Die Daten werden von allen Projektpartnern genutzt und mit bestehenden Bohr- und Seismikdaten kombiniert, um mittels modernster Methoden wie Vorwärtsmodellierung und Joint-Inversion ein konsolidiertes, digitales 3D-Untergrundmodell zu erstellen. Dieses Modell liefert eine wissenschaftlich fundierte Basis für die geologische Forschung und die Planung zukünftiger Energie- und Rohstoffprojekte im Oberrheingraben – ein weiterer Schritt in Richtung einer nachhaltigen, regionalen Energie- und Rohstoffversorgung.
Die Befliegung wird durch das Unternehmen Bell Geospace im Auftrag von Vulcan durchgeführt.
Weitere Infos finden Sie auf der Projekt-Website von Vulcan Energy: Natürlich Hessen
Über das Projekt „GeoProH“ – Geophysikalische Prospektion zur Erschließung geothermischer Potenziale in Hessen
Im Rahmen des Verbundprojekts „GeoProH“ arbeiten Unternehmen, Forschungseinrichtungen und öffentliche Partner – darunter Vulcan Energie Ressourcen GmbH, OMV, Eavor GmbH, die Stadt Frankfurt am Main, das Karlsruher Institut für Technologie sowie das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum – gemeinsam an der geophysikalischen Erkundung des hessischen Oberrheingrabens.
Die Region zählt zu den bedeutendsten geothermischen Potenzialräumen Mitteleuropas und ist gekennzeichnet durch komplexe tektonisch-sedimentologische Strukturen, hohe geothermische Gradienten (bis zu 60 °C pro 1.000 m Tiefe im Raum Frankfurt) sowie potenziell lithiumführende Horizonte in Gesteinen des Permokarbons, Buntsandsteins und des Tertiärs. Damit eröffnet sich für Hessen ein doppeltes strategisches Potenzial: sowohl zur nachhaltigen Nutzung geothermischer Energie als auch zur Gewinnung des kritischen Rohstoffs Lithium.
Bisherige geowissenschaftliche Daten zur Region sind jedoch fragmentarisch, methodisch uneinheitlich, teilweise veraltet und reichen nur begrenzt in größere Tiefen (> 500 m). Ein 3D-Tiefenmodell, basierend auf einem konsistenten, hochauflösenden geophysikalischen Datensatz, das für eine zuverlässige Exploration, Planung und Risikovorsorge notwendig wäre, liegt bislang nicht vor.
Ziel des Projekts ist daher die Erstellung eines geophysikalisch fundierten, digitalen 3D-Untergrundmodells für die Hochpotenzialgebiete des hessischen Erlaubnisfeldes „ORG Plus“ (Oberrheingraben Plus, Wissenschaftliche Aufsuchungserlaubnis). Grundlage bildet eine flächendeckende Befliegung mit Full Tensor Gravimetrie Gradiometrie (FTG), ergänzt durch präzise Gravimetrie und Magnetik nach aktuellem Stand der Technik. Die so gewonnenen Daten werden mit bestehenden Bohr- und Seismikinformationen sowie geologischen Karten verknüpft und über Vorwärtsmodellierung und Joint-Inversion zu einem konsolidierten Gesamtmodell zusammengeführt.